1.  Über uns                                                                                                                     2. Konzeption der Pflegewohngruppe

 

 

Über uns

Das Wohnprojekt „Die Bielefelder Herbstzeitlosen“ wurde 2015 ins Leben gerufen mit dem Ziel, einen Lebens- und Wohnraum für gemeinsames Altwerden zu schaffen. Unser Motto ist „Gemeinsam gegen Armut und Einsamkeit im Alter“.

 

Das Projekt richtet sich in erster Linie an Menschen über 50, die sich zunehmend Gedanken über ihren Lebensabend machen und vielleicht befürchten, dass sie wegen einer geringen Rente im Pflegefall zum Sozialfall  werden. Genau das möchten wir vermeiden.

Ein weiteres großes Ziel des Projektes ist, dass jedem Mitglied der Hausgemeinschaft ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Großfamilie vermittelt wird. Wir wünschen uns, dass jeder im Haus das Recht und die Möglichkeit bekommt, das Leben der Gemeinschaft mit zu gestalten, für sie zu sorgen und von ihr versorgt zu werden. Die Einwohner des Hauses sollen sicher sein, dass sie hier als wertvolle Mitglieder der Gemeinschaft auch dann weiter wohnen dürfen, wenn sie wegen körperlicher oder kognitiver Beeinträchtigungen nicht in der Lage sind, sich alleine zu versorgen. Jedes Mitglied der Hausgemeinschaft soll zur solidarischen Unterstützung der anderen beitragen (abhängig von individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten des Einzelnen). 

 

Bild: Friedrich Böhringer (CC-by-sa-2.5)
Bild: Friedrich Böhringer (CC-by-sa-2.5)

Um die oben genannten Vorhaben zu realisieren, sieht das Wohnprojekt folgendes vor:

  • neben „normalen Privatwohnungen“ (12 bis 15 überwiegend geförderte günstige Apartments oder 2-Zi. Wohnungen) ist eine Wohngruppe für 12 pflegebedürftige Bewohner im Haus geplant;

  • ein Pflegedienst soll von dem Wohngruppenrat beauftragt werden, um die pflegerische Versorgung der Bewohner rund um die Uhr sicher zu stellen. Dabei soll der Pflegedienst eher die Rolle eines Kooperationspartners spielen und nicht alleine über alles entscheiden, was in der Wohngruppe geschieht;

  • die Hausgemeinschaft ist die Gründerin und „die tragende Säule“ der Interessengemeinschaft, die rechtlich als eingetragener gemeinnütziger Verein „Die Bielefelder Herbstzeitlosen“organisiert ist. Bei den betreuungsbedürftigen Bewohnern der Wohngruppe reicht es aus, wenn die sie zu betreuenden Personen  Mitglieder des Vereins sind, oder jene den Verein in seinen Zielen und Aktivitäten unterstützen;

  • der Verein möchte zusammen mit der Hauswohngemeinschaft und mit den in der WG wohnenden Menschen dafür sorgen, dass das Leben in der Wohngruppe durch Selbstbestimmung  Selbstorganisation und weitestmögliche Selbstbeteiligung der Bewohner gestaltet wird. Die Mitglieder des Vereins werden in der Kooperation mit dem Pflegedienst die Wohngruppe bei der Selbstorganisation in Bereichen der Hauswirtschaft, sozialer Betreuung und Freizeitgestaltung aktiv unterstützen;

  • die Angehörigen der kognitiv beeinträchtigten Bewohner haben das Recht, bei der Entscheidungsfindung aktiv in einem demokratisch gewählten Wohngruppenrat mitzuwirken;

  • beim Eintreten einer erheblichen Pflegebedürftigkeit darf ein Einwohner aus der Privatwohnung des Hauses einen Platz in der Wohngruppe bekommen. Dabei behält er seine gewohnte Umgebung und die in der Hauswohngemeinschaft erworbenen Sozialkontakte und Aufgaben. Sollte es keinen freien Platz in der Wohngruppe geben, wird der Betroffene solange in seiner Wohnung versorgt und betreut;

  • es ist vorgesehen, dass die Hausgemeinschaft zusammen mit dem Verein zu aktiven Mitgliedern der Ortsgemeinde werden sollen, die den Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen, die Zuhause gepflegt werden, Entlastungsmöglichkeiten, Unterstützung und Beratung anbieten. Wir möchten auch den Menschen vor Ort, die sinnvolle Aufgaben im Leben suchen, die Möglichkeit geben, sich im Verein zu engagieren;

  • für die Mitarbeit bei den Betreuungsangeboten, die im Projekt vorgesehen sind, sollen in erster Linie Menschen engagiert werden, die große Lebens- und Berufserfahrung haben, finanziell grundsätzlich abgesichert sind und für die die Freude an der Arbeit mit Menschen in Vordergrund steht (also Frührentner, „junge“ Rentner und die, die sich für das gesellschaftliche Engagement nicht zu alt fühlen).

Wir möchten mit unseren Ideen und Zielen keine Alleinkämpfer sein. Deswegen sind wir bereit, uns für das Ziel „Gemeinsam gegen Armut und Einsamkeit im Alter“ auch auf gesellschaftlicher Ebene zu engagieren.

Konzepzion der Pflegewohngruppe


 

  1. Eine Wohngruppe ist ein Teil des Wohnprojektes und besteht aus einem getrennten Wohnbereich, wo 11 Bewohner ihre private Apartments (ein Zimmer mit WC und Dusche ca. 26m²) und Gemeinschaftsräume (eine große Wohnküche, einen kleinen Aufenthaltsraum, ein großes Badezimmer, 2 Gästezimmer, ein Büro und 2 Abstellräume) haben. Die ganze Wohnung wird ca. 470 m² groß sein. Zur Wohnung gehört ein Garten (ca. 400 m² groß).

  2. Zur Zielgruppe der Wohngruppe gehören pflegebedürftige erwachsene Menschen, die körperliche oder sekundär kognitive (durch eine erworbene körperliche Krankheit, keine primär psychische Krankheit) Einschränkungen haben und einen Pflegegrad von MDK zugesprochen bekommen. Jeder Bewohner hat seinen eigenen Mietvertrag, aber führt mit den anderen Bewohnern der Wohngruppe einen gemeinsamen Haushalt.

  3. Die Wohngruppe ist selbstorganisiert. Sie tritt als juristische Person in Form einer GBR auf.                                        Der Entscheidungsträger ist der WG- Rat, der von den Mitgliedern der WG (oder von der sie vertretenden Angehörigen/Betreuer) demokratisch gewählt wird. Rechte und Pflichten der WG- Ratsmitglieder werden durch eine Satzung geregelt, die von der WG- Mitgliederversammlung verabschiedet wird.

 

Der WG- Rat entscheidet:

 

- über die notwendige organisatorische Unterstützung und die Betreuungsleistungen (niederschwellige Angebote) und schließt mit dem Träger dieser Leistungen einen Kooperationsvertrag  ab;

 

- über die Inhalte der WG- Ordnung und des Nutzungsvertrages, schließt mit jedem Bewohner der Gruppe einen Nutzungsvertrag ab;

 

- über die Höhe und Verwaltung vom „Haushaltsgeld“ ;

 

- beauftragt einen Pflegedienst, entscheidet über die Höhe von notwendigen Pflegeleistungen ( das Pool- Prinzip ) und schließt mit dem Pflegedienst einen Kooperationsvertrag ab;

 

- stellt die, für die Versorgung der Bewohner notwendigen Helfer ein ( z.B. ein Hausmeister, Haushelferinnen, Betreuungshelfer, Pflegehelfer) und entlässt sie;

 

- über alle gemeinsamen Aktivitäten der Wohngruppe.

 

  1. Der WG- Rat wird von einem WG- Sprecher bei der Hausgemeinschaftsversammlung vertreten. Der WG- Rat schließt mit jedem Einwohner des Hauses, der kein Bewohner der WG ist, eine Vereinbarung über gegenseitige Unterstützung ab.

  2. Die Erstbelegung der Wohngruppe, die erste Versammlung und die erste Wahl des WG-Rats werden vom Verein „Die Bielefelder Herbstzeitlosen“ organisiert.